Monstermässiger Laternenumzug gegen die Verdrängung sozialer Einrichtungen

Donnerstag, 16.11.2017, 17.00 Uhr
Oranienstraße/Adalbertstraße, Kreuzberg

In unseren Kiezen, wie der Oranienstraße, sind Gewebetreibende aber vor allem auch Soziale Einrichtungen wie Kitas und Bildungsorte von Verdrängung bedroht.

Ganz besonders kritisch ist die Situation des Kinderladen Bande e.V.. Die “Deutsche Investment-Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH hat jüngst fast den gesamten Block gekauft (Hausnummer 199 – 205). Dem seit 34 Jahren dort ansässigen Kinderladen wurde jedoch das größzügige Angebot gemacht bleiben zu können, wenn sie die Vierfache [sic!] Miete zahlen würden. Das ist für einen Kinderladen schlicht unbezahlbar. Es gibt auch keine alternativen Räume in der Nähe.

Wir können es nicht zulassen, dass für kapitalistische Verwertungsinteresse dringend benötigte soziale Infrastrukturen wie Kinderläden einfach rausgeworfen werden.

Solange Wohn- und Gewerbeflächen wie eine Ware behandelt werden, haben nicht profitorientierte Einrichtungen keine Chance! Es benötigt besseren Schutz für Gewerbetreibene und eine Abschaffung des Kapitalismus.

https://www.facebook.com/events/126490378036537/

4. Kiezversammlung gegen Verdrängung // Do., 30.11., 19.30 Uhr // SO36 // Berlin-Kreuzberg

4. Kiezversammlung gegen Verdrängung
Donnerstag, 30.11.2017, Einlass 19.00 Uhr, Beginn 19.30 Uhr
SO36, Oranienstr. 190, Berlin-Kreuzberg

Wer hätte noch vor Kurzem gedacht, dass fast 100 Läden rund um die Oranienstraße gemeinsam gegen Verdrängung protestieren? Das macht uns optimistisch! Zusammen können wir uns gegen explodierende Mieten und Verdrängung z.B. durch Eigenbedarf und Modernisierung wehren.

Das Neueste: ein Investmentsfond hat in der Oranienstraße fast einen ganzen Häuserblock gekauft. Sie wollen nun einen Kinderladen verdrängen, der dort seit 34 Jahren besteht. Statt Kinderläden, Änderungsschneidereien, Buchläden und unkommerziellen Projekten soll es in Kreuzberg bald nur noch Luxushotels und Edelrestaurants geben – nicht mit uns!

Bei der Kiezversammlung geht es um aktuelle Informationen, was im letzten halben Jahr passiert ist und was wir daraus lernen können. Und natürlich um die nächsten konkreten Planungen und Schritte unseren solidarischen Widerstand zu organisieren.

Kommt Alle! Gemeinsam sind wir stark!

Flyer und Plakate zum runterladen, ausdrucken, verteilen, kleben, Nachbar*innen geben, in Geschäften aufhängen, Immobilienspekulanten um die Ohren hauen…

Die Armut ist ein gutes Geschäft – das Beispiel Berlichingenstraße 12

Reicher Mann und armer Mann
standen da und sahn sich an.
Und der Arme sagte bleich:
„Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich“.

Bertolt Brecht – „Alfabet“ (1934)

Aber es ist nicht nur so, dass die einen nur reich sein können weil die anderen arm sind. Mit den Armen lassen sich auch noch hervorragende Geschäfte machen. So zum Beispiel in der Berlichingenstraße 12, einem heruntergekommenem Haus in einer Randlage in Berlin-Moabit. Der Eigentümer Berolina Grundbesitz GmbH aus der Kantstraße 30 vermietete das Haus an die Firma Gästehaus Moabit als Heim für wohnungslose Männer, zugewiesen wurden diese vom Bezirk Mitte. Für die 33 Zimmer zahlte der Bezirk 22 Euro pro Nacht, im Monat also rund 22.000 Euro. Für Wohnungslose gibt es wesentlich schlechtere Optionen als die Berlichingenstraße 12. Andere Wohnugslose müssen in Mehrbettzimmern oder auf der Straße leben. In einer halbwegs vernünftig organisierten Gesellschaft gäbe es aber auch wesentlich bessere Optionen als 22.000 Euro im Monat den Profiteuren der Armut in den Rachen zu werfen – zum Beispiel das Haus zu kaufen. Aber die Politik will es den Wohnungslosen nicht zu leicht machen und wer Häuser für sie kauft, der enteignet auch irgendwann welche. Und wenn es keine Armen mehr gibt, wo sollen dann die Reichen herkommen?

Schlimmer geht immer

Einige der Wohnungslosen lebten bereits jahrelang in der Berlichingenstraße 12. Denn selbst als der Wohnungsmarkt in Berlin noch nicht so komplett dicht war wie jetzt, war es nicht für alle möglich eine Wohnung zu finden. Und die Berlichingenstraße 12 bot zumindest ein Zimmer und eine Meldeadresse. Die Vorraussetzung für so selbstverständliche Dinge wie ein Konto, einen Job, den Umgang mit den eigenen Kindern. Aber in der kapitalistischen Stadt gibt es keinen Stillstand. Und so bot sich der Armutsindustrie mit der Ankunft der Geflüchteten 2015 und der damit verbundenen weiteren Verschärfung auf dem Wohnungsmarkt, die Möglichkeit noch mehr aus dem Haus rauszuschlagen. Die Wohnungslosen sollten zum 31.1.2016 raus und Geflüchtete in Mehrbettzimmern rein.

Wenn die Armen keine Lämmer sind

Aber einige der Wohnungslosen wollten nicht einfach kampflos aufgeben und sie wollten sich auch nicht gegen andere Arme, die Geflüchteten, ausspielen lassen. Dabei wurden sie vom „Bündnis Zwangsräumung verhindern“, mietenpolitischen Gruppen, der „Refo Moabit – Kirche im Kiez“ und Bezirkspolitiker*innen unterstützt. Es folgten viele gemeinsame Aktionen wie ein Besuch der BVV Mitte und der Eigentümerfirma Berolina, die sofort die Polizei holte. Es wurden Kundgebungen und unzählige Treffen abgehalten und das Podium einer Veranstaltung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes wurde geentert. Der Paritätische Wohlfahrtsverband sagte danach ebenfalls seine Unterstützung zu und der damalige Sozialsenator Czaja sagte zu, keine geräumten Wohnungslosenplätze mit Geflüchteten zu füllen.

Das Recht ist das Recht der Reichen

Aber das alles half nichts – der Eigentümer verweigerte jegliche Kommunikation und liess einfach seine Anwälte arbeiten. Nebenbei stellte er noch Strom, Wasser und Heizung ab und schikanierte die Bewohner mit Hilfe einer Security-Firma. Den früheren Betreiber verklagte er und letztendlich wurde dieser dazu verurteilt, das Haus besenrein zu übergeben. Den neuen Betreiber liess er nicht aus dem Vertrag, obwohl er das wollte. So verbündete der sich, anlässlich eines Go-Ins, mit dem darob verblüfften Bündnis Zwangsräumung verhindern – was die Polizei nicht daran hinderte ein Verfahren wegen Hausfriedensbruch einzuleiten. Die Bewohner schliesslich wurden einzeln auf Räumung verklagt, dem wurde auch statt gegeben und am 6.9.2017 wurde die Berlichingenstraße 12 geräumt. Die meisten Bewohner waren schon ausgezogen, wer dort nicht gemeldet war wurde von Polizei und Security aus dem Haus geworfen. Einigen Bewohnern wurden noch lächerliche 200 Euro als Auszugsprämie geboten. Einige nahmen diese an, die restlichen 5 Bewohner im Haus waren nach anderthalb zermürbenden Jahren zerstritten, Kraft zum Widerstand war nicht mehr vorhanden.

Was bleibt?

Ansatzweise organisierten sich die Bewohner. Aber dies war nicht von Dauer, dafür war der Druck der Eigentümer zu groß und die Aussicht auf Erfolg zu gering. Gegen Eigentümer, die knallhart bleiben, denen Öffentlichkeit egal ist und die jede Kommunikation verweigern, ist eben schwer anzukommen. Denn die wissen genau, dass in den kapitalistischen Verhältnissen, in denen wir leben, das Recht auf Wohnen von 33 Menschen nichts zählt, ihr Recht auf Eigentum aber alles. Und mit diesem Eigentum und der Armut, die diese Verhältnisse ebenfalls hervorbringen, lässt sich ein prima Geschäft machen. Dieses Geschäft wird von der Politik unterstützt, von der Justiz abgesegnet und von der Polizei durchgesetzt. Die Bewohner aber liessen sich nicht gegen Geflüchtete ausspielen und anderthalb Jahre konnten sie mit Hilfe der Unterstützer*innen den Eigentümern ihr Eigentum streitig machen. Mehr war nicht drin – dazu müssen wir die Verhältnisse schon grundlegend ändern!

Sa. // 9.9. // O-Platz // Demo gegen steigende Mieten und Zwangsräumungen

Am Samstag, den 9.9. 2017 auf die Strasse
Demo gegen steigende Mieten und Zwangsräumungen für solidarische Nachbarschaften
14 Uhr // Oranienplatz // Berlin-Kreuzberg

Steigende Mieten sind auf der politischen Tagesordnung, die Parteien reden im Wahlkampf über ihre Vorschläge von Mietpreisbremse bis Vorkaufsrecht.

Aber Verdrängung und Zwangsräumung können dadurch nicht gestoppt werden. Denn solange die Wohnung eine Ware bleibt, ist das Menschenrecht auf Wohnen nicht durchsetzbar!

Sinkende Löhne, prekäre Beschäftigungen und steigende Mieten sind genau der Motor, der die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander lässt. Die Einen kaufen unsere Häuser und Wohnungen, die Anderen müssen deshalb um ihre Zukunft bangen! Das finden wir ungerecht.

Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen. Unsere Solidarität macht uns stark, denn in unseren Nachbarschaften liegt die Zukunft.

Viele Protest der letzten Monate konnten unseren Bäcker, unseren Buchladen unsere Änderungsschneiderei retten. Durch gemeinsame Aktionen und Solidarität können wir uns gegen Verdrängung und Zwangsräumung wehren. Wir geben nicht auf , wir fangen gerade erst richtig an. Vertraut ihr auf das Rechtssystem, dann kommen die Bullen!

Unsere Antwort heißt: Die Häuser denen, die drin leben! Wohnraum darf keine Ware sein! Nie wieder Zwangsräumungen!

Raus auf die Strasse am 9. September um 14 Uhr treffen wir uns auf dem Oranienplatz und nach der Demo gehen wir zum Strassenfest in der Reichenberger Strasse.

Wir sehen uns auf der Strasse!

Demoroute: Oranienplatz, Oranienstraße, Mariannenstraße, Waldemarstraße, Manteuffelstraße, Wienerstraße, Lausitzerstraße, Paul-Lincke-Ufer, Hobrechtbrücke, Maybachufer, Schinkestraße, Kottbusser Damm, Sanderstraße, Friedelstraße, Weserstraße, Hobrechtstraße, Sonnenallee, Pannierstraße, Framstraße, Nansenstraße, Reuterplatz

Besuch beim Zwangsräumungs-Baron auf der Pfaueninsel

Alexander Baron besitzt eine Eigentumswohnung in Berlin-Kreuzberg. In puncto Immobilienbesitz scheint er aber ein Anfänger zu sein. Das Mieter*innen auch Rechte haben, das ein Vertragsverhältnis zwischen beiden Parteien besteht und Vermieter Pflichten haben und das eine Wohnung in bewohnbarem Zustand sein muss, ist ihm anscheinend nicht so klar. Er dachte wohl er kauft eine Wohnung und wird dann reich. Ja, der Kapitalismus mit seinen Versprechungen. Obacht! Nicht alles was glänzt ist auch Gold.

Zu guter letzt will der Herr Baron nun die Mieterin aus der Wohnung schmeissen und klagt auf Eigenbedarf – und bekommt natürlich Recht. So steht die Mieterin davor ihre Wohnung zu verlieren.

Da der Herr Baron auf einen freundlichen Brief des “Bündnis Zwangsräumung verhindern” nicht antwortete und er ein Cateringunternehmen mit einem Kiosk auf der Pfaueninsel hat, ein guter Anlass für einen samstäglichen Bündnisausflug.

Also ab auf die Insel.

Überraschenderweise gibt es wirklich Pfauen – finde ihn und gewinne einen Blockade-Gutschein.

Dank der vorbildlichen Beschilderung fanden wir auch den Kaffegarten des Herrn Baron…

…und kamen auch schnell dazu unser Anliegen vorzutragen. Da der Herr Baron sich aber verleugnen liess, verlasen wir öffentlich den an ihn gerichteten Brief an die Angestellten und Gäste, verteilten Flyer und machten uns weiter auf Sightseeing-Tour über die Insel.

Es wurde uns gedroht die „Bullen“ zu holen. Das hält uns aber nicht von unserem Fazit ab: die Pfaueninsel ist auf jeden Fall einen Ausflug wert – wir kommen gerne wieder. Wir sind aber auch gerne bereit, die Kommunikation mit dem Herrn Baron an anderen Orten seine Wirkens aufzunehmen…

5.9. // Mietprozess, zweiter Verhandlungstag

Unterstützung beim Mietprozess, zweiter Verhandlungstag mit Zeuginnen und Beweisaufnahme
Dienstag, 5.9.2017, 10.20 Uhr
Amtsgericht Lichtenberg, Raum 2227
Roedeliusplatz 1, 10365 Berlin

Es geht weiter bei J.und S. aus der Pfarrstraße 116! Der Beschluss nach dem ersten Verhandlungstag lautet, dass Beweis und Gegenbeweis erhoben werden sollen. Dies geschieht nun durch Zeugenaussagen u.a. von der Gesellschafterin der GbR, die Eigenbedarf für die Wohnung angemeldet hat. Diesen Bedarf zweifeln J.und S. an und auch sie haben eine Zeugin…

Die Unterstützung am ersten Prozesstag war sehr beeindruckend. Lasst uns auch diesmal den Saal füllen und so für eine buntgemischte Stadt eintreten!

Vorladung zum LKA wegen Hausfriedensbruch

Update: Gikon hat versichert, dass sie keinen Strafantrag auf Hausfriedensbruch gestellt haben. Hausfriedensbruch wird aber nur auf Anzeige hin verfolgt. Die Polizei kann einen Tatvorwurf als Grund für eine Personalienüberprüfung und für Ermittlungen erstmal einsetzen, auch wenn sich der Ursprungsverdacht dann in Luft auflöst, sie können in verschiedene Richtungen wie z.B. Verstoss gegen das Versammlungsrecht, weiter ermitteln. Pure Einschüchterung! Klappt bei uns nicht, wir halten zusammen – vor, während und nach Aktionen!

Am 24.1. 2017 gab es ein Go-In bei der Betreiberfirma Gikon in der Beusselstraße in Moabit. Hintergrund ist das Räumungsbegehren der Eigentümer gegenüber dem Wohnheim in der Berlichingenstraße 12, in dem wohnungslose Männer in Einzelzimmern schon seit Jahren untergekommen sind. Dieses Wohnheim wurde an Gikon weitervermietet, die dann dort Geflüchtete unterbringen und damit den Eigentümern zu mehr Profit verhelfen sollten. Das Go-In sollte Gikon davon überzeugen, davon Abstand zu nehmen. Beim Go-In beteuerte Gikon, selbst aus dem Vertrag raus zu wollen und von einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch Abstand zu nehmen.

Nun gibt es für Etliche, deren Identität vor Ort festgestellt wurde (außerhalb des Gebäudes) eine Vorladung beim LKA im August. Bitte nehmt Kontakt zu uns auf, wenn ihr eine solche Vorladung erhalten habt. Eine Betroffene hat schon einen Anwalt kontaktiert, der Akteneinsicht beantragt. Deswegen muss niemand eine/n weitere/n Anwalt/Anwältin kontaktieren.

Der Vorladung muss niemand folgen, d.h. es ist besser, da nicht hinzugehen! Wir lassen niemanden alleine, wir verhalten uns dazu kollektiv.

Die Grunewald-Demo oder “Oh, wär ich doch ein reicher Mann, der ohne Mühe stehlen kann”

Update: Die Änderungsschneiderei Kabacaoglu hat am 25.7. einen neuen Mietvertrag unterschrieben. Die Miete ist zwar höher aber für die Änderungsschneiderei tragbar. So ist ihr Erhalt erst einmal gesichert. Der Oranienspäti der Familie Tunc im gleichen Haus ist aber weiter akut gefährdet.

Am Donnerstag, den 13. Juli, kamen ca. 80 Leute zur Grunewald-Demo um Solidarität mit dem Späti und der Änderungsschneiderei zu zeigen, darunter viele aus deren Nachbarschaft. Die beide Läden sollen aus ihren Gewerberäumen in der Oranienstraße 35 verdrängt werden. Eigentümer ist die Bauwerk Immobilien GmbH mit Sitz in eben jenem Grunewald, genauer in der Kronbergerstr. 12.

An der vorletzten Station des M29, der den langen Weg von Kreuzberg zum Grunewald zurücklegt, gab es eine Auftaktkundgebung. In den Redebeiträgen wurden die wenigen Passanten aufgeklärt, um was es bei der Demo eigentlich geht, und in einem kleinen Abriss zu den Grunewald-Demos der letzten Jahrzehnte, warum diese immer wieder nötig sind.  Die Profiteure der Ausbeutung, nicht nur durch Mieteinnahmen, leben nämlich dort.

Danach ging es dann in einer kurzen Demo in die noch ruhigere Kronbergerstraße, die mit lauten Parolen etwas aufgeweckt wurde. Am, von der Polizei gut bewachten, Firmensitz der Bauwerk lies sich niemand blicken. So gab es noch einiges zum Bauwerk-Immobiliengefelcht zu vernehmen und zum Abschluss erfreute uns L. mit seinem Akkordeon noch mit einem Lied von Erich Mühsam, dass auf den Punkt brachte warum wir da waren.

Lumpenlied
Erich Mühsam

Kein Schlips am Hals, kein Geld im Sack.
Wir sind ein schäbiges Lumpenpack,
auf das der Bürger speit.
Der Bürger blank von Stiebellack,
mit Ordenszacken auf dem Frack,
der Bürger mit dem Chapeau claque,
fromm und voll Redlichkeit.

Der Bürger speit und hat auch recht.
Er hat Geschmeide gold und echt. –
Wir haben Schnaps im Bauch.
Wer Schnaps im Bauch hat, ist bezecht,
und wer bezecht ist, der erfrecht
zu Dingen sich, die jener schlecht
und niedrig findet auch.

Der Bürger kann gesittet sein,
er lernte Bibel und Latein. –
Wir lernen nur den Neid.
Wer Porter trinkt und Schampus-Wein,
lustwandelt fein im Sonnenschein,
der bürstet sich, wenn unserein
ihn anrührt mit dem Kleid.

Wo hat der Bürger alles her:
den Geldsack und das Schießgewehr?
Er stiehlt es grad wie wir.
Bloß macht man uns das Stehlen schwer.
Doch er kriegt mehr als sein Begehr.
Er schröpft dazu die Taschen leer
von allem Arbeitstier.

Oh, wär ich doch ein reicher Mann,
der ohne Mühe stehlen kann,
gepriesen und geehrt.
Träf ich euch auf der Straße dann,
ihr Strohkumpane, Fritz, Johann,
ihr Lumpenvolk, ich spie euch an. –
Das seid ihr Hunde wert!

NEUER TERMIN: Demo im Grunewald gegen Gentrifizierung in Kreuzberg // Donnerstag, 13.7.

Gemeinsame Anreise aus Kreuzberg
Wenn der Grunewald für dich unbekanntes Terrain ist, kannst du gerne mit uns gemeinsam aus Kreuzberg anreisen. Einfach in den BVG-Bus steigen und eine Stunde später sind wir da. Treffpunkt 14.30 vor dem Späti/Änderungsschneiderei in der Oranienstraße 35.

Donnerstag, 13.7.2017, 16-18 Uhr
Auftaktkundgebung: Roseneck Hohenzollerndamm / Teplitzerstraße (Bushaltestelle M29)
Route: Hohenzollerndamm, Teplitzerstraße, Hagenstraße, Kronbergerstraße
Abschlusskundgebung: Bauwerk Immobilien GmbH, Kronberger Str. 12, 14193 Berlin

Für 22.6. war die Demo schon einmal angesetzt, musste aber wegen Unwetterwarnung ausfallen. Die im Grunewald geklebten Plakate haben aber schon Wirkung gezeigt. Lasst uns da jetzt weiter Druck machen. Auf in den Grunewald!

Kündigung der Änderungsschneiderei Kabacaoglu und die Zwangsräumung des Spätkaufs in der Oranienstraße 35 verhindern! Deshalb besuchen wir die Eigentümer, Bauwerk Immobilien, im Grunewald.

Die Änderungsschneiderei Kabacaoglu gibt es bereits seit 1985. Jetzt wurde ihr zum 31.5.17 gekündigt. Vorher gab es nie Stress aber im letzten Jahr kaufte die Bauwerk Immobilien das Haus.

Anscheinend zu einem teuren Kaufpreis, den sie auf Kosten der Mieter*innen wieder einfahren wollen. Das können sie aber vergessen. Auch viele Kund*innen sind solidarisch mit der Änderungsschneiderei. Wir fordern, dass die Änderungsschneiderei den Mietvertrag verlängert bekommt. Zu für sie tragbaren Konditionen!

Tür an Tür mit der Änderungsschneiderei befindet sich der Oranienspäti in derselben Hausnummer. Eigentümergesellschaft ist auch hier die Bauwerk Immo GmbH. Die Familie Tunc betreibt den Laden seit 2009. Ihre Wurzeln reichen zurück bis zu den ersten türkischen Gastarbeiter*innen in Kreuzberg. Die Tuncs kämpfen seit ihrer Kündigung im Mai 2015 rechtlich um den Verbleib in der Oranienstraße. Sollte die Gültigkeit einer Klausel im Mietvertrag nicht erstritten werden können, die den Verbleib des Ladens bis August dieses Jahres absichern würde, droht die Räumung. Wir akzeptieren das nicht und fordern die Rücknahme der Räumungsklage und der Kündigung, sowie die Aufnahme von Verhandlungen zur Verlängerung des Mietvertrages des Oranienspätis!

Plakat/Flyer zum runterladen.

Bericht vom Mietprozess am Dienstag, 27.6.2017

Am Dienstag, den 27.06.2017 versammelten sich ca. 20 Unterstützer*innen um J. und S. aus der Pfarrstraße 116 bei ihrer Güteverhandlung im Amtsgericht Lichtenberg zu unterstützen. Dabei ging es erstens um die Eigenbedarfsbefristung ihrer Wohnung, die der Vermieter für seine Lebensgefährtin geltend machen will. Diese, so wird behauptet, wohne derzeit in beengten Verhältnissen eines Büros am Helmholtzplatz und benötige daher schnellstmöglich den Wohnraum. J. und S. bezweifeln diesen Eigenbedarf und wollen sich nicht verdrängen lassen.

Richter Pragst kam zu der Auffassung, dass die Chancen eher schlecht stünden gegen die Räumungsklage anzukommen und einen unbefristeten Mietvertrag zu erwirken. Somit stellte er J. und S. einen unfreiwilligen Auszug in Aussicht, den er ihnen augenscheinlich so angenehm wie möglich machen wollte. Den Vorschlag, bis April 2018 in der Wohnung verbleiben zu können und eine Abschlagszahlung von 4.000 Euro zu erhalten, schlugen J. und S. aus. Nachdem er ihnen 10.000 Euro für eine schnelle, freiwillige Räumung bot, mussten sie wiederholt betonen, dass sie kein Interesse an einem „Rauskauf“ hätten, sondern einen unbefristeten Mietvertrag anstreben.

Ihre Widerklage auf Rückforderung zuviel gezahlter Miete verspricht dagegen mehr Erfolg. Pragst sah zunächst keine Zweifel daran, dass die Beklagten gegen den Fördervertrag verstoßen und von den Mieter*innen mehr Miete als zulässig genommen hatten. Eine Rückzahlung könnte also denkbar sein.

Zum Schluss mahnte er J. und S., sich nicht von diversen Interessenverbänden instrumentalisieren zu lassen. Dabei nahm er Bezug auf das Publikum im Raum. Wohl aus dieser Sorge um eventuelle „Bambule“ hatten sich drei Zivilpolizisten unter das Publikum gemischt, die für Recht und Ordnung sorgen wollten.

J. und S. aus der Pfarrstraße 116 danken allen Unterstützer*innen, die ihnen den Rücken gestärkt haben! Auf in die nächste Runde.