Kategorie-Archiv: Aktion

Bericht von der 3. Kiezversammlung

Es war gutes Wetter und kein Abend, um ins dunkle SO36 zu kommen. Aber trotzdem versammelten sich wieder viele Menschen, um zu hören, was so los ist im Kiez und wer sich wie organsiert.
 
Tags zuvor war der deutsche Pavillion in Veneding anläßlich der Kunstbienale mit dem Satz der Kuratorin “Wir sehen, wie sie handeln – und wir sehen, wie sie leiden” eröffnet worden. Ach war es schön, in Kreuzberg zu sein: WIR WISSEN, WER HANDELT UND WIR KÄMPFEN!
 
Auch die Polizei hatte dazu eine Meinung und kreiste mit zahlreichen Wannen im Kiez herum. Wir aber hatten uns getroffen, um einander zuzuhören. Und da gab es viel zu erzählen.

Die Mieterin, die auf der 1. Kiezversammlung zu Beginn aufstand und mit ihrer Freundin zusammen von der bevorstehenden Zwangsräumung sprach – sie konnte die Geschichte erzählen, wie den Verantwortlichen begegnet wurde und das am Ende alle Forderungen erfüllt sind – auch wir können handeln.
 
Die Änderungsschneider und der danebenliegende Späti sind immer noch nicht “vom Eis”, darum treten wir am nächsten Montag wieder in den Dialog mit den Verantwortlichen mittels einer öffentlichen Telefonaktion – die Flyer dazu gingen herum und wurden eingesteckt.

Dann berichteten zahlreiche Mieter*innenInitiativen, wie sie ihre Selbstorganisation vorantreiben und wie sie zum Eigentum stehen. Schnell wurde man sich über praktische Fragen einig, Termine wurden an große Plakate geschrieben. Ein Satz blieb wie ein Luftballon an der Decke hängen: MANCHMAL IST AUCH EINFACH DAS SCHLOSS AUF…
 
Und die Reihe der bedrohten Häuser und Projekte nahm kein Ende, ob Friedel, Lause oder Potse – immer und immer wieder ist es die gleiche Geschichte von “Solange die Wohnung eine Ware ist ….” Jeder Spatz pfeift es in Kreuzberg und nicht nur dort von den Dächern.

Und unten kreisen stumm die Bullenwannen im ganzen Kiez herum. Dann ging es noch um die Begrüßung von neuen Nachbar*innen und schnell war klar, den googlecampus wollen wir hier nicht.
 
Dann war es nur noch ein kleiner Schritt bis zum Treffen der Mächtigen und Reichen demnächst in Hamburg. Auch dort wird gegen steigende Mieten und Verdrängung seit Jahren gekämpft. Es blieb die Frage, was tun neben Vernetzung und Information und den Wannen, die nicht nach Hause fahren. Wir dachten strategisch nach.

Da holte der Igel seine Frau und sagte, lass uns cornern. Er hatte das in Hamburg entdeckt. Über die sozialen Medien verabredet man sich zum Bier am Späti und was auf den ersten Blick wie eine Tourigruppe aussieht, ist doch eine kleine Kundgebung, gegen die selbst die Bullen nichts haben können – wir trinken hier einfach nur unser Bier. Schnell war das erste cornern besprochen. Es findet am Tag des Nachbarn in der Weserstraße statt. Alle Termine auf unserer Website und mit dem nächsten Newsletter.
 
So gingen wir fröhlich nach Hause, einen Sack Termine in Hinterhand und ließen die Wannen frei laufen, aber das Echo schallt aus jedem Fenster hervor “Ick bin all hier” – sprach der Igel mit seiner Frau, um den Hasen zu überholen.

Telefonaktion am Montag 15.5.2017 gegen Verdrängung in der Oranienstraße!

Kündigung der Änderungsschneiderei Kabacaoglu und die Zwangsräumung des Spätkaufs verhindern!

Die Änderungsschneiderei Kabacaoglu in der Oranienstr. 35 gibt es bereits seit 1985. Jetzt wurde ihr zum  31.5.17 gekündigt. Vorher gab esnie Stress aber im letzten Jahr kaufte die Bauwerk Immobilien das Haus.

Anscheinend zu einem teuren Kaufpreis, den sie auf Kosten der Mieter*innen wieder einfahren wollen. Das können sie aber vergessen. Auch viele Kund*innen sind solidarisch mit der Änderungsschneiderei. Wir fordern, dass die Änderungsschneiderei den Mietvertrag verlängert bekommt. zu für sie tragbaren Konditionen.

Tür an Tür mit der Änderungsschneiderei befindet sich der Oranienspäti in derselben Hausnummer. Eigentümergesellschaft ist auch hier die Bauwerk Immo GmbH. Die Familie Tunc betreibt den Laden seit 2009. Ihre Wurzeln reichen zurück bis zu den ersten türkischen Gastarbeiter*innen in Kreuzberg. Die Tuncs kämpfen seit ihrer Kündigung im Mai 2015 rechtlich um den Verbleib in der Oranienstraße. Sollte die Gültigkeit einer Klausel im Mietvertrag nicht erstritten werden können, die den Verbleib des Ladens bis August dieses Jahres absichern würde, droht die Räumung. Wir akzeptieren das nicht und fordern die Rücknahme der Räumungsklage und der Kündigung, sowie die Aufnahme von Verhandlungen zur Verlängerung des Mietvertrages des Oranienspätis!

* Wann wollen wir anrufen:

Am Montag 15.05.17 werden wir alle gemeinsam die Eigentümer Bauwerk Immobilien und die Hausverwaltung Krasemann anrufen und fordern, den Mietvertrag zu verlängern bzw. die Kündigung für den Spätkauf zurückzunehmen. Macht mit, nur gemeinsam können wir den nötigen Druck aufbauen!

* Wen rufen wir an?

Die Eigentümer Bauwerk Immobilien GmbH
Kronberger Str. 12, 14193 Berlin
Telefon: 030 / 887 142 -19, Telefax 030 / 887142-22  Geschäftsführerin Anke Polster

Die Hausverwaltung Krasemann Immobilien Management Berlin GmbH
Pistoriusstraße 6a, 13086 Berlin,
Telefon: 030 / 927 053 0
Hauptstelle in Hannover: Immobilien Management Hannover GmbH
Telefon: 0511 / 283 97-0
Geschäftsführer Stefan Buhl

* Wie rufen wir an?

Freundlich und bestimmt. Ihr könnt euch einen anderen Namen geben und eure Rufnummer unterdrücken wenn ihr anonym bleiben wollt. Wir freuen uns auch wenn sich etwaige Journalist*innen und/oder “wichtige” Menschen beschweren. Bei der letzten Telefonaktion wollten sie eine Rückrufnummer haben und hatten diese auch tatsächlich zurück gerufen. Also überlegt euch vorher, ob ihr das wollt. Unser Ziel ist es Chaos zu stiften, die Leitungen lahm zu legen und nicht Mitarbeiter*innen zu beleidigen.

Sehr wahrscheinlich werden die Mitarbeiter*innen schnell auflegen, ruft dann einfach wieder an und wieder und wieder…

* Was könnt ihr sagen?

Beispiel: Hallo mein Name ist XXX könnte ich den Chef / die Geschäftsführerin sprechen? Ich habe von der Kündigung der Änderungsschneiderei Kabacaoglu bzw. des Spätis in der Oranienstr. 35 erfahren. Ich bin empört und empfinde es als menschenverachtend Familien die Existenz zu vernichten und sie nach so langer Zeit auf die Straße zu setzen. Ich fordere sie auf, den Mietvertrag umgehend zu verlängern! Denkt euch gerne was Eigenes aus!

Mailt uns eure Erfahrungen an zwangsraeumungverhindern@riseup.net

Was wir noch so machen in unserer Freizeit…

…und gestern haben wir bis in die morgenstunden n geiles transpi für die änderungsschneiderei gemalt. wer will, kann uns helfen beim aufhängen oder das transpi bejubeln! wer ne gute knipse hat, kann das vielleicht ablichten, wär doch n nettes erinnerungsfoto für den hausbesitzer… ansonsten können wir das foto als leistungsnachweis – an prominenter stelle – auf unserer website unterbringen, zwecks vorlage beim jobcenter oder so…

unser neues, wunderschönes kleid ist aus herrlichem und neuartigen reflektions-stoff (weiss) und der anspruchsvolle schriftzug “profitsystem abschaffen. nachbar*innen bleiben!” ist in schönen frühlingsfarben aufwendig aufappliziert. zusätzlich gibt es 3 expressive bildelemente, die dem kleid seinen unverwechselbaren charakter und tieferen sinn verleihen.

keine angst, ich starte bestimmt keine werbe-karriere, aber wenn ich morgen um 14.00 nicht am vereinbarten treffpunkt bin, heißt das, ich rück das transpi nich mehr raus, weils so schön is, dann lass ich mir n kleid draus machen;)

…und find es wunderschön!

Zwangsräumung in der Grenzallee im April verhindert!

Zuerst haben wir gemeinsam einen Brief übergeben…
 
Am 6. April trafen sich 4 Personen aus dem Bündnis Zwangsräumung verhindern am Kotti, um gemeinsam nach Köpenick in die Oberspreestraße 182 zu fahren.

Wir nutzen die Fahrt, um uns gegenseitig den Brief laut vorzulesen und letzte Fehler zu korrigieren. Besonders gefiel mir die Stelle im Brief, wo der Anwalt seine Vermieterbrille gegen seine Mieterbrille mal auswechseln soll. Der Anwalt ist auch für den Mieterverein tätig und hat also auf diesem Bereich Kompetenzen.
 
Nachdem wir die Stadt mit Hilfe der BVG neu vermessen hatten und uns in einer anderen Welt fühlten – dabei ist von Kreuzberg nach Köpenick laut BVG nur 45 Minuten Unterschied – in der Realität aber doppelt soviel – fanden wir uns in einer anderen Welt wieder. Was ist aus der Arbeiterklasse geworden, die hier vor 30 Jahren Schöneweide das Flair gab, dass nur Kabelwerker geben können? Kabelwerk Oberspree deindustrialisiert, Arbeitsstandorte globalisiert, Auswirkungen als Fluchtursachen wieder zurückgekehrt an den Beginn der Geschichte und wir nun bei den Verantwortlichen konkret zu Besuch – eine Gründerzeitvilla mit Jugendstilambiente erwartete uns.
 
Kurz vor dem Klingeln waren wir komplett irritiert – zu wem wollten wir eigentlich? Die Katharina ist die Hausverwalterin, aber ist sie auch die Eigentümerin? Irgendjemand besitzt die Website der Hausverwaltung und hat noch eine Verbindung zu? Und der Anwalt berät sowohl Mieter, besitzt aber auch Häuser und macht da fett Geschäft mit Flucht und Armut und dann leistet man sich noch den Zweig der Zivilgesellschaft, denn im Souterain war die Spindelmindel – irgendein lokaler Aufschlag des engagierten Teils der Bevölkerung für Lurchen und Uferwege und Partizipation – wo wollten wir eigentlich hin? Jemand erklomm die Stufen zum Eingang. Und da standen sie alle an Klingelschildern, an Briefkästen, aber nur eine Klingel für alle – alles eine Mischpoke.
 
Der Summer ging, die Tür sprang auf, vor uns eröffnete sich ein Entré aus vergangenen Zeiten, Holzgetäfelt, Deckenbemalt – herrlich, einfach eine andere Klasse. Aus der einzig offenen Tür kam uns ganz  offensichtlich die Sekretärin entgegen, hinter ihr leuchtete das Bodemuseum in gelb und rot gemalt. Sie war irritiert. Warum wir den Brief nicht per Post geschickt haben – ja es drängt, sie haben eine Zwangsräumung angesetzt. Warum man nicht einen Termin gemacht hätte und ein vier-Augen-Gespräch? Nein, wir kommen nie allein, wir sind Gruppe – heute sind wir in kleinster Aufstellung. 
 
Der Fragen waren noch viele, wir verlasen den Brief und ergänzten danach einander den Entwurf des weiteren Prozedere. Wir haben wirklich kein Interesse an Eskalation + aber angesichts der Ungerechtigkeit haben wir einen Plan + wir kommen wieder mit einer Kundgebung + wir schreiben Briefe an Geschäftspartner und Freunde der Zivilgesellschaft und natürlich diskutieren wir das über die Presse gemeinsam + und wenn nichts hilft, dann organisieren wir natürlich die Blockade + aber wir haben kein Interesse an Eskalation + sie haben damit angefangen.
 
Wir hatten uns nicht verabredet, wer was sagt. Wir sind so eingespielt aufgrund unserer Erfahrung, dass wir wie eine Spinne jedes Bein nach einem Rythmus bewegt, uns gemeinsam zum Abschluß des Gesprächs vortasteten, in der Bewegung aber schon auch unberechenbar schienen für die ganz offensichtlich weiblich sozialisierten Person, die es schon bereute auf die Frage “Sollen wir den Brief mal vorlesen” vor gefühlten 20 Minuten “Ja” gesagt zu haben. 
 
Und wir konnten kein Ende finden. Eine Person hatte sich bereits auf der Couch niedergelassen und sagte wie ins Nirvana “Weisst du noch bei der Räumung von Ali?” und eine andere Person ergänzte “…als der Kurier mit einem brennenden Auto titelte” und die Dritte ergänzte “So sieht es in Kreuzberg aus, wenn die Gerichtsvollzieherin kommt” Die männliche Stimme der Vernunft aber hielt entgegen: “Wir halten nichts vom Kurier”
 
Und hinter einer großen Holztür hörte man eine männliche Stimme telefonieren. Wir konnten uns ein Schmunzeln nicht verkneifen – nicht nur sie hatte etwas untertrieben zu Beginn, als sie meinte, niemand wäre im Hause.
 
So zogen wir fröhlich von dannen, die Bewegung hinter uns stehend, die Zukunft vor uns und die Sonne schien. Ein wirklich gelungener Ausflug.
 
…dann machte Herr Tüxen mit uns einen Termin

Wir waren 5 Leute; hatten – wie besprochen – 3 Forderungen und einen Vorschlag mitgebracht… zunächst hat Herr Tüxen uns darüber informiert, dass er für dieses Gespräch kein Mandat hat und eigentlich Anwälte miteinander kommunizieren… Auf die Frage hin, ob wir mal erklären sollten, warum wir hier sind und wer wir eigentlich sind winkte er nur wissend ab “Danke, ich weiß, wer sie sind.”
 
Als nun geklärt war, dass wir zu einem politischen Gespräch gekommen waren, stellten wir unsere Forderungen und unser Angebot vor:

  • Zwangsräumung am 3.5. abgeblasen
  • Mietfreiheitsschuldenbescheinigung – f. weiß wie es genau heißt
  • Schuldenerlass komplett
  • und bis zum Auszug Miete nach den Möglichkeiten, die JC gewährt

Dann folgte eine Diskussion + irgendwie hielt er sich am Mietenkonto fest, die betroffenen Mieter wollte es dann aber genau wissen “woher sollen wir wissen, was sie erhöht haben, wenn sie uns das nicht mitteilen?”…und hier ist in der Tat ein strukturelles Problem, JC zahlt direkt, aber Mieterin ist in der Verantwortung
 
Als die Freundin und Übersetzerin dann vor seinem Schreibtisch stand und sich nicht mit allgemeinen Vorwürfen abspeisen lassen wollte, ließ er seinen Plan fallen, das Mantra von ‘Schulden sind in so hohem Maße aufgelaufen, dass er das hier nicht in Gänze darlegen könne’ weiter zu wiederholen…
 
Daraufhin machte ein Unterstützer einen längeren Beitrag, warum sind wir hier und was ist eigentlich mit dem Unterschied zwischen Herrn Tüxen und der Mieterin…. dadurch war es Herrn Tüxen möglich, wieder auf den Kern unseres Erscheinens zurückzukommen wir setzten nochmal nach “Wir brauchen einfach Verfahrenssicherheit, ob wir nun auch am 3. Mai noch nüchtern sein müssen” 
 
Und dann ging alles sehr schnell. Herr Tüxen bestätigte alle Forderungen und hatte nur den Wunsch, eine großzügige Frist des Auszuges festzuschreiben – 1 Jahr mit der Möglichkeit ohne Fristen jederzeit das Mietverhältnis durch die Mieter zu kündigen, wenn sie eine andere Wohnung gefunden haben.
 
Der Vergleich ist geschlossen

  • Räumungstitel ruht, Zwangsräumung zurückgenommen
  • Mietschuldenbefreiung wird ausgestellt
  • Schulden erlassen und zwar komplett
  • aktuelle Miete läuft bis zum Auszug

 

Organize – Antikapitalistische Demonstration im Wedding

Sonntag, 30.4.2017, 16 Uhr
Leopoldplatz (U6 & U9)

Am 30. April 2017 gehen wir gemeinsam auf die Straße. Steigende Mieten, zunehmender Stress vom Jobcenter, rassistische Polizeikontrollen oder fehlende Möglichkeiten und Orte das Leben im Kiez selbst zu gestalten – das alles sind Teile einer sich verschärfenden, kapitalistischen Stadtumstrukturierung, die uns alle betrifft. Unsere Antwort ist Selbstorganisierung von unten! Gemeinsam können wir etwas verändern.
Der ganze Aufruf, die Route, Mobimaterial etc. gibts hier.

Gemeinsam von Neukölln und Kreuzberg in den Wedding

Vortreffpunkt Neukölln
Friedel54, Friedelstraße 54, 12047 Berlin -Neukölln
14.00 Uhr: Kundgebung
15.15 Uhr: Gemeinsam in den Wedding fahren

Vortreffpunkt Kreuzberg
NewYorck im Bethanien, Mariannenplatz 2A, 10997 Berlin-Kreuzberg
15.00 Uhr: Gemeinsam in den Wedding fahren

Selber machen Konferenz // 28.-30.4.

Selber machen – Internationale Konferenz zu Basisorganisierung, Gegenmacht und Autonomie

28.4. bis 30.4. 2017
New Yorck im Bethanien
Mariannenplatz 2 a
10997 Berlin – Kreuzberg

“Wir machen einen Kongress. Vom 28. bis zum 30. April wollen wir im traditionsreichen Berliner Bethanien zusammenkommen, um uns darüber zu unterhalten, wie eine Selbstorganisierung von „unten“ in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen aussehen kann: Im Stadtteil, im Arbeitsleben, in der Kultur.”
Aus dem Aufruf, mehr Info und das Programm auf dem Blog www.selbermachen2017.org

Das Bündnis Zwangsräumung verhindern macht auf der Konferenz am Samstag, den 29.4. von 10.00-12.00 Uhr einen Workshop mit dem Titel:

Widerstand hat viele Gesichter – 5 Jahre Zwangsräumung verhindern in Berlin

Seit 5 Jahren kämpfen wir gemeinsam mit Betroffenen gegen Zwangsräumungen. Dabei wollen wir für die Betroffenen was rausholen, solidarischen Widerstand organisieren und an den konkreten Geschichten die ganze Unmenschlichkeit des Kapitalismus erzählen.

Wir schreiben Briefe an die Verantwortlichen, begleiten Leute zu ihren Prozessen, machen Kundgebungen, Demos, Mikrofonikias, Go-Ins und Blockaden. In 70 Fällen von Zwangsräumung mit über 200 Betroffenen konnten 26 Zwangsräumungen verhindert werden. Für einige konnte ein Aufschub erreicht, für andere eine Ersatzwohnung erzwungen werden, manche fanden selber eine, manche meldeten sich nicht mehr und einige wurden gewaltsam geräumt.

Tausende Menschen unterstützen unsere Aktionen, sind solidarisch mit von Zwangsräumung Betroffenen und haben Zwangsräumung zum öffentlichen Thema gemacht. Neben viel Zustimmung gibt es aber auch Kritik innerhalb und ausserhalb des Bündnisses: unsere Arbeit sei Sozialarbeit und kommt über den Einzelfall nicht hinaus, wir organisieren die Leute nicht, unsere Aktionen sind nicht radikal genug.

Genug Stoff für anderthalb Stunden, wir würden eine kurze Einführung geben und freuen uns über eure Fragen und Kritik.

3. Kiezversammlung gegen Verdrängung im SO36

* 3. Kiezversammlung gegen Verdrängung
* Donnerstag, 11.5.2017, Einlass 19.00 Uhr, Beginn 19.30 Uhr
* SO36, Oranienstr. 190, Berlin-Kreuzberg


4 Läden sind gerettet, aber andere Gewerbetreibende und Mieter*innen müssen um ihre Existenz bangen. Mit erfolgreichen Aktionen sind wir gestartet, aber noch bangt jede 2. Mieter*in darum, ob sie oder er sich die Miete in Zukunft leisten kann. Degewo-Mieter*innen am Marianenplatz, Mieter*innen in der Otto-Suhr-Alle und am Kottbuser Tor haben sich gerade organisiert.

Aber auch die Infrastruktur ist gefärdet, das Bärwaldbad muß schließen. Nach der 1. Kiezversammlung haben wir demonstriert, unmittelbar nach der 2. Kiezversammlung sind wir raus auf die Straße zur Sponti. Bei einem spontanen Besuch der Stadtentwicklungssenatorin haben wir Forderungen gestellt.

Mal sehen, was uns diesmal einfällt…
Kommt zahlreich, denn es ist immer noch unsere Stadt!

Mobimaterial zum runterladen, ausdrucken, verteilen
Die dritte Kiezversammlung – Flyer A5
Die dritte Kiezversammlung – Plakat A4

Kisch & Co: Kundgebung entfällt // Einigung mit Berggruen

Die Kundgebung am Freitag, 31.3.2017, 12.00 Uhr in der Fasanenstr. 77, 10623 Berlin findet nicht statt.

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Pressemitteilung von Kisch & Co.
Berlin, 30.03.2017

 
Die Buchhandlung Kisch & Co. freut sich euch / Ihnen mitteilen zu können, dass wir eine Einigung zur Verlängerung unseres Mietvertrages mit der Nicolas Berggruen Holdings GmbH erzielen konnten.Es wurde eine Verlängerung des bestehenden Vertrages um weitere 3 Jahre vereinbart.
 
Wir bedanken uns für die breite Unterstützung im Kampf um Erhalt der Buchhandlung Kisch & Co. bei allen solidarischen Leuten aus dem Kiez, bei unseren Kunden, den Gewerbetreibenden aus der Strasse, den Autorinnen und Autoren und vor allem dem „Bündnis Zwangsräumung verhindern“.  Dieser Erfolg wäre sonst nicht möglich gewesen.

Das Team von Kisch & Co.

Bericht zur Telefonaktion am 23.3.

Auf der 2. Kiezversammlung hatten wir zu einer Telefonaktion am Donnerstag, den 23.3.2017, für die Änderungsschneiderei Kabacaoglu in der Oranienstr 35 aufgerufen. Das lief anscheinend ganz gut. Schon morgens um 8.30 Uhr rief die Hausverwaltung bei der Änderungsschneiderei an und wollte sie dazu bewegen die Anrufe abzustellen. Hier ein kleiner Bericht eines Nachbarn, der anrief:

Als erstes habe ich gegen 14 Uhr die Eigentümer Bauwerk Immobilien angerufen. Da gab es kein Freizeichen und schwupp war die Verbindung beendet. Auch bei mehrmaligen Versuchen das gleiche.

Bei der Hausverwaltung Krasemann ging die, für die Änderungsschneiderei Kabacaoglu zuständige, Sachbearbeiterin Virginia Malich sofort ans Telefon. Sie war schon etwas genervt, hielt sich aber im Zaum. Wie eine kaputte Schallplatte wiederholte sie immer wieder “ich darf keine Auskünfte an Dritte weitergeben, nein mein Chef kann ihnen auch nicht weiterhelfen”. Nachdem sie 5 mal aufgelegt und ich 4 mal wieder angerufen hatte, hatten wir beide das Gefühl, dass wir zumindest für diesen Tag keine Freunde mehr werden würden.

So rief ich bei der zentralen Telefonnummer der Hausverwaltung Krasemann (in Berlin) an. Das erste war “Änderungsschneiderei, das geht schon den ganzen Tag” und auf mein Frage ob ich “wir geben keine Auskunft” von Frau Malich so interpretieren kann, dass die Änderungsschneiderei gekündigt wurde, kam die Antwort sie seien nur die Hausverwaltung und würden nur machen was der Eigentümer will. Daraus schloss ich, dass die Hausverwaltung gar nicht kündigen will. Das teilte ich der Frau am Telefon mit was sie hörbar beruhigte. Nur um sie so dann umso mehr in Verzweiflung zu stürzen, als ich sagte das würde ich gleich dem Eigentümer Bauwerk Immobilien mitteilen.

Aber bei Bauwerk war das Telefon immer noch im Abwehrmodus.

So rief ich die Zentrale der Hausverwaltung Krasemann in Hannover an. Auch dort hatte man schon von der Änderungsschneiderei in Berlin gehört. Den Geschäftführer könnte ich leider, wegen Auswärtstermin, nicht sprechen, dafür aber Katrin Stöcker, seine Vertreterin oder was auch immer. Nachdem Frau Stöcker am Anfang des Gespräches darauf bestand, dss sie in Hannover rein gar nichts mit den Berliner Krasemanns zu tun hätten, näherten wir uns im Laufe des 15 minütigen Gespräches doch noch an. Frau Stöcker lobte mich ob meines nachbarschaftlichen Engagements und sagte auch sie finde, dass alteingesessene Läden den Flair des Kiezes ausmachen und bleiben sollten, da sie gut für die Verwertung sind. Auf meine Frage ob ihr Kreuzberg ein Begriff sei, sagte sie ja das wäre ein aufstrebender Bezirk. Auf meine Erwiderung, ich würde eher so Sachen meinen wie den 1. Mai, die Chaoten, Widerstand – kenne sie bestimmt aus dem Fernsehen – und dass es eher schlecht sei für das Image von Firmen wenn deren Namen in Kreuzberg öffentlich werden würden, kam sie doch ins Nachdenken. Als ich ihr dann noch erzählte Eigentümer hätten die Kündigung zweier Läden in den letzten Wochen nach Protesten zurück gezogen, sagte sie, ja sie wären natürlich auch beratend tätig für die Eigentümer, und sie würde das Thema beim nächsten Treffen mit der Berliner Hausverwaltung ansprechen. Ich riet ihr zur Eile, da die Kündigung bereits zu Ende Mai ergangen sei, und auch der 1. Mai vor der Tür stände…

Also als erster Auftakt war das bestimmt nicht schlecht, jetzt muss es halt weitergehen. Die Eigentümer Bauwerk Immobilien scheinen nicht so gerne zu telefonieren, sie suchen wohl eher das persönliche Gespräch und nach Hannover gibt es sicher Kontakte.

Ein Nachbar der Änderungsschneiderei Kabacaoglu

Bericht zur 2. Kiezversammlung am 21.3. im SO36

Auch zur 2. Kiezversammlung kamen wieder ca. 350 Nachbar*innen und Aktivist*innen. Der als Bantelmann-Laden bekannt gewordene 1000-kleine-Dinge-Shop aus dem Wrangelkiez konnte seinen Erfolg genauso feiern, wie die Bäckerei Filou aus der Reichenbergerstraße.

Ein Vertreter aus der Unterstützer*innengruppe GloReiche betonte, dass es die Vielfalt der Proteste war, die letztendlich zur “Verhandlungsbereitschaft” der Eigentümer führte. Zwei Läden waren gerettet, viele neue kamen allerdings hinzu. Taekker, der Eigentümer der Lausitzerstraße 10 – der anfangs eingelenkt hatte – erweist sich doch als hammerharter Gegner. Noch scheint es, dass sich Taekker nicht für die Mieter interessiert, angesichts der vielen Millionen Gewinne, die er aus einem von der Stadt ehemals fast verschenkten Gebäude herausholen kann. Die Mieter*innen der Lause wollen sich weiter vernetzen und verwiesen auf die Abenddemo im Nordkiez am 22. April und kündigten weitere Aktionen an. Ähnlich und noch dramatischer liegt die nahende Katastrophe Kiezladen in der Friedelstraße 54. Sie zahlen bereits seit letztem Sommer keine Miete mehr und werden geduldet, rechnen aber mit dem Brief der Gerichtsvollzieherin bereits vor dem 1. Mai. Immer Sonntags findet vor der Friedel eine Kundgebung statt.

Aber es wurde nicht nur von bevorstehenden Zwangsräumungen geredet, sondern es wurden auch sofort Aktionen gegen diese gewalttätigste Form der Verdrängung geplant und verabredet. So soll die Änderungsschneiderei in der Oranienstraße 35 verschwinden. Dagegen findet noch diese Woche eine gemeinsame Telefonaktion bei den Verantwortlichen statt, indem der Kiez den Verantwortlichen mitteilt, was er davon hält. Einigkeit herrschte im Saal darüber, dass die Änderungsschneiderei auf gar keinen Fall verschwinden darf. Gerade diese Art der Konsumverweigerung gegen den Warenfetischismus muß hier im Kiez erhalten bleiben. Wir sind gespannt, wie die Verantwortlichen auf das Dialogangebot reagieren. Vor Weihnachten konnte gerade eine Zwangsräumung mittels einer Telefonaktion aufgehalten werden. Eine Münchener Immobilienfirma knickte damals schlußendlich ein.

Auch für den legendären Buchladen Kisch&Co ist noch keine Entwarnung in Sicht. Obwohl der Eigentümer Berggruen für seinen Kulturgeschmack weit über die Grenzen Berlins bekannt ist. So berichtete eine Frau davon, welche Rolle Berggruen in der Kulturszene in NewYork spielt. Ein Nachbar hatte bei der Berggruenholding nach der Kiezdemo im Februar ein Buch mit der Widmung “Können Sie ohne Bücher leben?” vorbei gebracht. Update: Es gab eine Einigung zwischen Kisch & Co und Berggruen.

Um das Nachdenken und Besinnen auf die wichtigen Dinge im Leben zu vertiefen, wurde eine Kundgebung vor dem Büro der Nicolas Berggruen Holdings GmbH in der Fasanenstraße 77 am Freitag, dem 31.3. um 12 Uhr verabredet. Auch die Mieter*innen in den Häusern von Berggruen in Kreuzberg sollen dazu eingeladen werden. Anregungen will man sich bei der aktuellen Ausstellung im Berggruenmuseum mit dem Titel “Confrontation” holen.

Bereits organisierte Mieter*innen aus der Otto-Suhr-Siedlung und von der DeGeWo rund um den Marianenplatz sprachen von flächendeckenden Mieterhöhungen durch die fast alle Mieter*innen jetzt von Verdrängung bedroht sind. Die Wut im SO36 errrreichte den Siedepunkt. Man verabredete sich für eine clandestine Aktion bei Verantwortlichen und beendete den Abend mit einer Sponti vor der Tür. Eins wurde klar an diesem Abend, Kreuzberg verteidigt sich und steht zusammen und es werden immer mehr, die von Verdrängung bedroht sind und sich wehren. Die Polizei war schnell mit Mannschaftsstärke aufgefahren, kurzzeitig stand man sich auf der Oranienstraße Auge in Auge gegenüber, drehte um und war auch vom Heini aus bereits abgeriegelt, Scheinwerfer blendeten. Aber dann fand sich doch noch ein Verantwortlicher für die Polizei und gemeinsam ging man bis zum Kotti. Im Nachgang wurden zwei Festnahmen gemeldet, unter anderem wegen Vermummungsgefahr mit einem gelben Schal mit roter Paspel. Der Schal wurde von der Polizei beschlagnahmt. Der Repressionsfonds vom Bündnis Zwangsräumung verhindern steht bereit. Denn wenn bereits ein gelber Schal mit roter Paspel zum Zwecke der Vermummung herhalten muß, dann scheint Kreuzberg noch zu retten sein.