Kategorie-Archiv: Aktion

Hands off the squats // Kundgebung vor der Griechischen Botschaft // Fr., 23.6.

Wir veröffentlichen hier einen Aufruf aus Griechenland zu einem Internationalen Aktionstag am 23.6 gegen die geplanten Räumungen der Besetzungen Papoutsadiko, Zoodoxou Pigis 119, und City Plaza.

Am Freitag 23.6 um 11 Uhr wird es eine Kundgebung vor der Griechischen Botschaft in Berlin geben: Jägerstraße 54, Gendarmenmarkt U Hausvogteiplatz

Bündnis Zwangsräumung verhindern
Griechenland Soligruppe

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Hier der Aufruf:

Hands off the squats – Call for a gathering and international action day on June 23rd

During the last month we witnessed the state escalating its anti-immigration policy of restrictions against refugees and the solidarity movement. In Addition to the EU management of migration issues which include forcing people to live in horrible conditions, deporting them and denying them their basic human rights, the Greek government is revealing its totalitarian face by demonstrating its repression power through evicting political and housing squats for refugees.

In the last days new information was leaked through newspapers, about court decisions focusing on the eviction of three more squats. Papoutsadiko, Zoodoxou Pigis 119 and City Plaza, one of the largest refugee squats that host around 400 people. It is clear that the state is focusing in shutting down every self organized free space, including all housing squats for refugees. An attack towards City Plaza or any squat is an attack to all of us. They know how to use the power of riot police forces, but we know how to use the power of solidarity!

As long as they try to evict the squats, as long as they build camps and detention centers, as long as there are borders – we will also be there to fight back and fight for a better world! We won’t bend down, we won’t let them in, we stand united! We will show them again what we already proved, we live together, we struggle and we resist together – to defend the dignity of each individual, to defend our principles of solidarity and to keep our free spaces open. Therefore we call for a protest and a gathering on the 23rd of June, in front of the Ministry of Migration (Stadiou 27) at 7 pm. On the same day we call for an International Action of solidarity towards all squats and against evictions!

Keep the squats open!
Close the camps and detention centers!
Cancel the shameful EU-Turkey deal!
Open the borders!
You can’t evict a movement!

Coordination of Refugee Squats City Plaza, Notara 26, Oniro, Spyrou
Trikoupi, Arahovis, 5th School, Jasmine School, Acharnon 22

Von der Friedel54 in Berlin-Neukölln zum G20 nach Hamburg

Protest gegen Zwangsräumung des Kiezladens Friedel 54 + + + Go-In bei Hausverwaltung + + + Soziales Zentrum und kämpfende Hausgemeinschaft bleiben + + + undurchsichtiges Eigentümerkonstrukt + + + Politik ist willen- und machtlos + + + Einzelerfolge durch solidarische und direkte Aktionen + + + Zwangsräumung am 29.6. blockieren + + + die herrschenden Verhältnisse umwerfen + + + G20 in Hamburg verhindern!

Go-In bei Hausverwaltung der Friedel54

Heute, am Dienstag den 6.6.2017, haben ca. 20 Aktivist*innen die Secura Grundstücksverwaltungsgesellschaft mbH in der Schwalbacher Str. 8 in 12161 Berlin-Friedenau zu einem Go-In besucht. Die Secura ist die Hausverwaltung der Friedel54 und damit die lokal Verantwortliche für die, für den 29.6.2017 angesetzte, Zwangsräumung des Kiezladens. Bisher versuchte die Secura sich – wie bei Hausverwaltungen üblich – damit herauszureden, dass sie nur die Vorgaben des Eigentümers erfüllen würde, so hat sie heute jegliches Gespräch verweigert.

3 Mitarbeiter*innen versuchten die Aktivist*innen sofort aus dem Büro zu drängen. Darauf liessen diese sich nicht ein und sichtlich genervt mussten sich die Secura-Leute einen langen Brief für den Erhalt des Kiezladens vorlesen lassen. Auf dieses Dialogangebot reagierten sie nur mit einem mantraartigen „Raus, verlassen Sie unserer Räume“. Zu mehr hat es trotz wiederholter Diskussionsversuche seitens der Aktivist*innen nicht gereicht. Nach 15 Minuten und einem Gruppenfoto vor dem Haus, verliessen die Aktivist*innen das schnieke Friedenau. Die Polizei hatte Secura bis dahin nicht gerufen.

„Die Secura hat viel mehr Entscheidungsmöglichkeiten als sie zugibt. Wir machen die Secura verantwortlich für die Räumung. Sie kann die Eigentümer veranlassen die Räumung zurückzunehmen oder die geschäftlichen Beziehungen mit ihnen beenden,“ so Sara Walther vom Bündnis Zwangsräumung verhindern. „ Secura scheint aber keinerlei Interesse an einer Beilegung des Konfliktes zu haben. Deshalb rufen wir zur Blockade der Zwangsräumung am Donnerstag, den 29.6. auf.“

Soziales Zentrum und kämpfende Hausgemeinschaft

Der Kiezladen in der Friedelstraße 54 in Berlin-Neukölln ist seit 2004 ein politischer und kultureller Veranstaltungsraum mit Küche, Umsonstladen und Druckwerkstatt. Er ist Treffpunkt für unkommerzielle Projekte und Gruppen in einem Gebiet der rasanten Aufwertung und Verdrängung.

2014 wollte auch der damalige Eigentümer, die Citec Immo Invest GmbH aus Wien ihren Schnitt am Neuköllner Immobilienboom machen und alle Profitmöglichkeiten, die ihr die Politik bot, ausnutzen, wie z.B. Wärmedämmung und Luxussanierung. Für die Mieter*innen hätte das eine 200-300 prozentige Mieterhöhung und damit für viele auch die Verdrängung bedeutet. Das findet täglich und zigmal in Berlin und nicht nur hier und seit heute statt und ist auch so gewollt. “Die Leute raus – Mieten hoch – Bumm – ganz normal Kapitalismus oder wie sagt man”, hieß es bereits 2009 im Hamburger Dokumentarfilm „Empire St. Pauli“.

Überraschend für die Citec hat sich die Hausgemeinschaft der Friedel und der Kiezladen kämpferisch zusammengefunden. Nach mehreren Aktionen und einem Besuch in Wien hat auch die Citec bemerkt, dass Mieter*innen, die sich organisieren und wehren schlecht fürs Geschäft sind.

Die Rache des Kapitals

So hat die Citec Verhandlungen über einen Verkauf des Hauses an die Mieter*innen begonnen, nicht ohne vorher dem Kiezladen zu kündigen. Trotz Verhandlungen verkaufte die Citec aber nicht an die Mieter*innen sondern an die Luxemburger Briefkastenfirma Pinehill Sarl. So überraschend ist das nicht, machen Kapitalist*innen doch lieber Geschäfte unter ihres gleichen und hassen Mieter*innen, die sich einmischen. Zudem hat die Pinehill 20.000 Euro mehr bezahlt. Während den Verhandlungen war die ganze Zeit Thorsten Elsholtz auf Seiten der Citec dabei. Elsholtz, jetzt Sprecher der Berliner AfD-Fraktion – deren Lösung der Wohnungsfrage im Schreien nach „mehr Eigentum“ besteht – war u.a. Vorsitzender der rechtsextremen Burschenschaft “Gothia” und Sprecher des rassistischen Heimbetreibers Pewobe. Schön, dass die AfD, die ja immer so tut als wäre sie die „Partei des kleinen Mannes“, hier so offen zeigt auf wessen Seite sie steht – auf Seiten der Immobilienspekulanten, der Reichen und der Profiteure der Verdrängung.

Die Verantwortlichen verschwinden im Nebel des globalen Kapitalismus

Am Anfang war alles noch so schön einfach. Da gab es die Citec Immo Invest GmbH. Die saß zwar in Wien, aber auch da konnte man hinfahren und reale Personen mit ihrer Verantwortung konfrontieren. Jetzt ist der Eigentümer Pinehill Sarl eine Briefkastenfirma in Luxemburg (Pinehill Sàrl, Avenue de la Faiencerie 121 , 1511 Luxembourg), hinter der die Paddock Corporate Services, mit der gleichen Adresse, steht. Die wiederum zur B.A. Trust Group, ebenfalls mit der gleichen Adresse, gehört. Der einzige Name der recherchierbar ist, Frédéric Gautier Winther. Der Vorsitzende von Winther Investment Inc. und Geschäftsführer der Pinehill Sarl sitzt im sonnigen Houston, Texas, USA.

Wie könnte der Kapitalismus schöner dargelegt werden. Nicht wir bestimmen über unser Leben, unsere Nachbarschaften, sondern die Profiteure eines Wirtschaftssystems, das den Profit der Wenigen sichert. Die Rahmenbedingungen dieser Ausbeutung schafft die Politik, die jetzt Krokodilstränen heult. „Eigentum verpflichtet, doch wir können dem Besitzer nicht einfach sein Eigentum wegnehmen,“ jammern die Grünen. Warum eigentlich nicht, er nimmt uns doch auch einfach die Kiezladen oder die Wohnung weg? „Ich sehe den sozialen Frieden in Neukölln gefährdet, sollte sich die Lage in der ­Friedelstraße 54 zuspitzen,“ sagt die SPD, die in Berlin seit Jahren an der Regierung und damit verantwortlich für die Wohnungsmisere ist, und auf Bundesebene den Mieter*innen mit ihrer „Mietpreisbremse“ Sand in die Augen gestreut hat, um den Immobilienspekulanten weiterhin ihre Profite zu ermöglichen. Für die tausenden verdrängten Mieter*innen hat die SPD den sozialen Frieden längst aufgekündigt.

Von kleinen Erfolgen zum Umwerfen aller Verhältnisse

Dem wollen wir nicht nachstehen. Wir kündigen den sozialen Frieden mit jeder anstehenden Zwangsräumung auf. Durch Kontinuität, Öffentlichkeitsarbeit und direkten Aktionen gelingt es lokale Eigentümer*innen unter Druck zu setzen. Je weiter sie von Berlin entfernt sind, desto schwerer wird es. Wenn sie im Nebel des globalen Kapitalismus verschwinden wird es noch schwerer. Aber alle brauchen ihre Handlanger vor Ort – Angriffsfläche gibt es immer.

Auch gibt es keine verlorenen Kämpfe. Wie lange saß den Herrschenden in Berlin die Räumung der Liebigstraße oder der Lausitzer in den Knochen? Alle Kämpfe sind ein Mosaik des Widerstandes und ohne dieses Mosaik keine Erfolge. Kleine Erfolge, angesichts der Gewalt der Verdrängung, große Erfolge für die Einzelnen, die ihre Wohnung erhalten und vielleicht das erste mal solidarische Menschen und die Möglichkeit gemeinschaftlichen Handelns erfahren.

Aber solange Wohnung eine Ware ist wird es keine Lösung der Wohnungsfrage geben. Und Wohnungen werden solange eine Ware sein, wie die herrschenden Eigentums- und Machtverhältnisse bestehen. Diesen können wir durch solidarische Aktionen Zugeständnisse abtrotzen aber um „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“ (Karl Marx) müssen wir diese Verhältnisse grundsätzlich angreifen.

Darum Zwangsräumung des Kiezladens blockieren und G20 in Hamburg verhindern!

27.6. // Unterstützung beim Mietprozess


Unterstützung beim Mietprozess
Dienstag, 27.6.2017, 11.10 Uhr, Raum 2227
Amtsgericht Lichtenberg, Roedeliusplatz 1, 10365 Berlin

J. und S. wohnen in der Pfarrstraße 116 im Kaskelkiez und sollen verdrängt werden. Die Frau des Vermieters will ihre Wohnung beziehen, obwohl klar ist, dass sie keinen Bedarf an Wohnraum hat. Sie wollen die Räumungsklage abwehren, seid solidarisch kommt zum Mietprozess!

Auch in Lichtenberg sollen Mieterinnen und Mieter verdrängt werden. Bewohner*innen der Pfarrstraße 116 im Kaskelkiez sollen Platz für zahlkräftigere Mieter*innen machen, die durch die fortwährende Aufwertung des Kiezes angesprochen werden. Die GbR Pfarrstr. 116 um Herrn Dr. Andreas Schlothauer, hat neue Pläne mit dem Haus, die steigende Mieten und Räumungen zur Folge haben.

Auf teilweise dubiose Weise macht die GbR Eigenbedarf für Familienangehörige geltend. Offensichtlich besteht für keine von ihnen Bedarf an Wohnraum. Die GbR besitzt weitere Immobilien im Kiez, in der Stadt und außerhalb Berlins. Doch damit nicht genug! Schlothauer, der stets als korrekter Altlinker auftritt und sich als Freund flacher Hierarchien und geringer Bürokratie präsentiert, kassierte Anfang der 90er Jahre Fördergelder zur Sanierung unseres Hauses. Er verstieß gleichzeitig gegen den daran gekoppelten Fördervertrag, indem er sich jahrelang an unerlaubt überhöhten Mietforderungen bereicherte. Wir wollen bleiben und unser Geld zurück!

22.6. // Demo im Grunewald gegen Gentrifizierung in Kreuzberg

!!!!! Demo wegen Unwetterwarnung abgesagt !!!!!

Donnerstag, 22.6.2017, 16-18 Uhr
Auftaktkundgebung: Roseneck Hohenzollerndamm / Teplitzerstraße (Bushaltestelle M29)
Route: Hohenzollerndamm, Teplitzerstraße, Hagenstraße, Kronbergerstraße
Abschlusskundgebung: Bauwerk Immobilien GmbH, Kronberger Str. 12, 14193 Berlin

Kündigung der Änderungsschneiderei Kabacaoglu und die Zwangsräumung des Spätkaufs in der Oranienstraße 35 verhindern! Deshalb besuchen wir die Eigentümer, Bauwerk Immobilien, im Grunewald.

Die Änderungsschneiderei Kabacaoglu gibt es bereits seit 1985. Jetzt wurde ihr zum  31.5.17 gekündigt. Vorher gab es nie Stress aber im letzten Jahr kaufte die Bauwerk Immobilien das Haus.

Anscheinend zu einem teuren Kaufpreis, den sie auf Kosten der Mieter*innen wieder einfahren wollen. Das können sie aber vergessen. Auch viele Kund*innen sind solidarisch mit der Änderungsschneiderei. Wir fordern, dass die Änderungsschneiderei den Mietvertrag verlängert bekommt. Zu für sie tragbaren Konditionen!

Tür an Tür mit der Änderungsschneiderei befindet sich der Oranienspäti in derselben Hausnummer. Eigentümergesellschaft ist auch hier die Bauwerk Immo GmbH. Die Familie Tunc betreibt den Laden seit 2009. Ihre Wurzeln reichen zurück bis zu den ersten türkischen Gastarbeiter*innen in Kreuzberg. Die Tuncs kämpfen seit ihrer Kündigung im Mai 2015 rechtlich um den Verbleib in der Oranienstraße. Sollte die Gültigkeit einer Klausel im Mietvertrag nicht erstritten werden können, die den Verbleib des Ladens bis August dieses Jahres absichern würde, droht die Räumung. Wir akzeptieren das nicht und fordern die Rücknahme der Räumungsklage und der Kündigung, sowie die Aufnahme von Verhandlungen zur Verlängerung des Mietvertrages des Oranienspätis!

Plakat/Flyer zum runterladen.

Kämpfe gegen Verdrängung & Enteignung in Thessaloniki (Gr) und Berlin

Freitag, 16.Juni, 19 Uhr
Biergarten Jockel
Ratiborstraße 14c, 10999 Berlin

Diskussionsveranstaltung mit Beiträgen vom „Bündnis Zwangsräumung verhindern“ und von VertreterInnen der Initiative gegen Zwangsversteigerungen aus Thessaloniki

Die Finanzmarktkrise 2008 hat Griechenland an den Rand des Staatsbankrotts gebracht. Seit gut 9 Jahren hält das Spardiktat der Troika die griechische Gesellschaft im Würgegriff.

Unter anderem wurde im letzten Jahr durchgesetzt, dass die Wohnungen von verschuldeten Menschen zwangsversteigert werden (können). Durch diese Enteignungen versucht das Kapital neue, vermeintlich sichere Anlagemöglichkeiten abseits riskanter Finanzmarktgeschäfte zu erschließen.

Auch in Berlin führt die Spekulation mit Wohnraum zu drastischen Veränderungen. Die Modernisierung und Aufwertung ganzer Stadtteile führt zur Vertreibung der gewachsenen Nachbarschaften durch enorme Preissteigerungen bei Mieten.

In beiden Städten wehren sich Initiativen gegen diese Angriffe und widersetzen sich Zwangsversteigerungen und Zwangsräumungen. Damit wehren sie sich auch gegen die neoliberale Politik von Staat und Kapital.

  • Was sind die Gemeinsamkeiten und was ist das Besondere in den jeweiligen Auseinandersetzungen?
  • Welche Kampfformen haben zum Erfolg geführt?
  • Wie kann ein transnationaler Kampf in der Wohnungsfrage zu einer starken Bewegung werden?

Diesen Fragen wollen wir in unserer Diskussionsveranstaltung nachgehen.

Die WG in der Dubliner Strasse im Wedding hatte wieder einmal einen Gerichtstermin

Kurzer Bericht vom Gerichtstermin am 2. Juni am Amtsgericht Wedding. Früh um 9 Uhr bei bestem Wetter trafen sich die Unterstützer*innen der WG aus der Dubliner Straße im Wedding vor dem Amtsgericht Wedding. Ein für die ca. 20 Unterstützer*innen vertrauter Ort, hatte doch das Amtsgericht der Kündigung durch den Eigentümer hier bereits Recht gegeben.

Ein jähe Wendung nahm die Geschichte, als sie vor das Landgericht kam. Dort sah man es überhaupt nicht als erwiesen an, dass es zu einer Mietschuld gekommen war. Der Richter vom Amtsgericht Wedding war dem Eigentümer in seiner Argumentation gefolgt, dass der Abtrocknungsgrad nach Wasserschaden bei der Mietminderung
nicht berücksichtigt wurde und somit ausreichend Mietschulden aufgelaufen waren, um zu kündigen.

Dem hatte das Landgericht widersprochen und zurück an das Amtsgericht überwiesen. So saßen wir uns also alle wieder gegenüber. Es liegt anscheinend in der Natur der Dinge, dass bei wiederholten Begegnungen eine gewisse Vertrautheit aufkommt, die in dem Fall allzu trügerisch scheint.

So begann die Verhandlung in geradezu intimen Geplänkel. Der Anwalt der WG hatte eine dicken Akte vor sich liegen und erinnerte den Richter daran, dass bereits im August 2016 der Abschluß des Mietvertrages als WG vorgebracht wurde und er den damaligen Hausverwalter als Zeuge benannt hatte.

Gedankenversunken sprach bzw. nuschelte der Richter in sein Aufnahmegerät, was er gerade gehört hatte. Dann warf er den Satz “Wir haben ein Verspätungsproblem” in den Raum.

Im Kern geht es immer noch darum, welcher der Kündigungsgründe das Rennen macht: Der Abtrocknungsgrad oder die Untermietproblematik, weil die WG von den Eigentümern nicht als WG angesehen wird, sondern als Partnerschaften – in welchem Verhältnis da wer zu wem steht bleibt offen.

Der Anwalt des Eigentümers war diesmal nur mit Plastemappe und dem Einladungsblatt zum Termin erschienen. Es blieb unklar, ob der Prozess für die Eigentümerseite schon gelaufen scheint oder einfach nur der Hausmeister in einer schwarzen Robe erschienen war.

Aber noch scheint nichts entschieden und WIR haben garantiert kein Verspätungsproblem. Fortsetzung folgt….

Bericht von der 3. Kiezversammlung

Es war gutes Wetter und kein Abend, um ins dunkle SO36 zu kommen. Aber trotzdem versammelten sich wieder viele Menschen, um zu hören, was so los ist im Kiez und wer sich wie organsiert.
 
Tags zuvor war der deutsche Pavillion in Veneding anläßlich der Kunstbienale mit dem Satz der Kuratorin “Wir sehen, wie sie handeln – und wir sehen, wie sie leiden” eröffnet worden. Ach war es schön, in Kreuzberg zu sein: WIR WISSEN, WER HANDELT UND WIR KÄMPFEN!
 
Auch die Polizei hatte dazu eine Meinung und kreiste mit zahlreichen Wannen im Kiez herum. Wir aber hatten uns getroffen, um einander zuzuhören. Und da gab es viel zu erzählen.

Die Mieterin, die auf der 1. Kiezversammlung zu Beginn aufstand und mit ihrer Freundin zusammen von der bevorstehenden Zwangsräumung sprach – sie konnte die Geschichte erzählen, wie den Verantwortlichen begegnet wurde und das am Ende alle Forderungen erfüllt sind – auch wir können handeln.
 
Die Änderungsschneider und der danebenliegende Späti sind immer noch nicht “vom Eis”, darum treten wir am nächsten Montag wieder in den Dialog mit den Verantwortlichen mittels einer öffentlichen Telefonaktion – die Flyer dazu gingen herum und wurden eingesteckt.

Dann berichteten zahlreiche Mieter*innenInitiativen, wie sie ihre Selbstorganisation vorantreiben und wie sie zum Eigentum stehen. Schnell wurde man sich über praktische Fragen einig, Termine wurden an große Plakate geschrieben. Ein Satz blieb wie ein Luftballon an der Decke hängen: MANCHMAL IST AUCH EINFACH DAS SCHLOSS AUF…
 
Und die Reihe der bedrohten Häuser und Projekte nahm kein Ende, ob Friedel, Lause oder Potse – immer und immer wieder ist es die gleiche Geschichte von “Solange die Wohnung eine Ware ist ….” Jeder Spatz pfeift es in Kreuzberg und nicht nur dort von den Dächern.

Und unten kreisen stumm die Bullenwannen im ganzen Kiez herum. Dann ging es noch um die Begrüßung von neuen Nachbar*innen und schnell war klar, den googlecampus wollen wir hier nicht.
 
Dann war es nur noch ein kleiner Schritt bis zum Treffen der Mächtigen und Reichen demnächst in Hamburg. Auch dort wird gegen steigende Mieten und Verdrängung seit Jahren gekämpft. Es blieb die Frage, was tun neben Vernetzung und Information und den Wannen, die nicht nach Hause fahren. Wir dachten strategisch nach.

Da holte der Igel seine Frau und sagte, lass uns cornern. Er hatte das in Hamburg entdeckt. Über die sozialen Medien verabredet man sich zum Bier am Späti und was auf den ersten Blick wie eine Tourigruppe aussieht, ist doch eine kleine Kundgebung, gegen die selbst die Bullen nichts haben können – wir trinken hier einfach nur unser Bier. Schnell war das erste cornern besprochen. Es findet am Tag des Nachbarn in der Weserstraße statt. Alle Termine auf unserer Website und mit dem nächsten Newsletter.
 
So gingen wir fröhlich nach Hause, einen Sack Termine in Hinterhand und ließen die Wannen frei laufen, aber das Echo schallt aus jedem Fenster hervor “Ick bin all hier” – sprach der Igel mit seiner Frau, um den Hasen zu überholen.

Telefonaktion am Montag 15.5.2017 gegen Verdrängung in der Oranienstraße!

Kündigung der Änderungsschneiderei Kabacaoglu und die Zwangsräumung des Spätkaufs verhindern!

Die Änderungsschneiderei Kabacaoglu in der Oranienstr. 35 gibt es bereits seit 1985. Jetzt wurde ihr zum  31.5.17 gekündigt. Vorher gab esnie Stress aber im letzten Jahr kaufte die Bauwerk Immobilien das Haus.

Anscheinend zu einem teuren Kaufpreis, den sie auf Kosten der Mieter*innen wieder einfahren wollen. Das können sie aber vergessen. Auch viele Kund*innen sind solidarisch mit der Änderungsschneiderei. Wir fordern, dass die Änderungsschneiderei den Mietvertrag verlängert bekommt. zu für sie tragbaren Konditionen.

Tür an Tür mit der Änderungsschneiderei befindet sich der Oranienspäti in derselben Hausnummer. Eigentümergesellschaft ist auch hier die Bauwerk Immo GmbH. Die Familie Tunc betreibt den Laden seit 2009. Ihre Wurzeln reichen zurück bis zu den ersten türkischen Gastarbeiter*innen in Kreuzberg. Die Tuncs kämpfen seit ihrer Kündigung im Mai 2015 rechtlich um den Verbleib in der Oranienstraße. Sollte die Gültigkeit einer Klausel im Mietvertrag nicht erstritten werden können, die den Verbleib des Ladens bis August dieses Jahres absichern würde, droht die Räumung. Wir akzeptieren das nicht und fordern die Rücknahme der Räumungsklage und der Kündigung, sowie die Aufnahme von Verhandlungen zur Verlängerung des Mietvertrages des Oranienspätis!

* Wann wollen wir anrufen:

Am Montag 15.05.17 werden wir alle gemeinsam die Eigentümer Bauwerk Immobilien und die Hausverwaltung Krasemann anrufen und fordern, den Mietvertrag zu verlängern bzw. die Kündigung für den Spätkauf zurückzunehmen. Macht mit, nur gemeinsam können wir den nötigen Druck aufbauen!

* Wen rufen wir an?

Die Eigentümer Bauwerk Immobilien GmbH
Kronberger Str. 12, 14193 Berlin
Telefon: 030 / 887 142 -19, Telefax 030 / 887142-22  Geschäftsführerin Anke Polster

Die Hausverwaltung Krasemann Immobilien Management Berlin GmbH
Pistoriusstraße 6a, 13086 Berlin,
Telefon: 030 / 927 053 0
Hauptstelle in Hannover: Immobilien Management Hannover GmbH
Telefon: 0511 / 283 97-0
Geschäftsführer Stefan Buhl

* Wie rufen wir an?

Freundlich und bestimmt. Ihr könnt euch einen anderen Namen geben und eure Rufnummer unterdrücken wenn ihr anonym bleiben wollt. Wir freuen uns auch wenn sich etwaige Journalist*innen und/oder “wichtige” Menschen beschweren. Bei der letzten Telefonaktion wollten sie eine Rückrufnummer haben und hatten diese auch tatsächlich zurück gerufen. Also überlegt euch vorher, ob ihr das wollt. Unser Ziel ist es Chaos zu stiften, die Leitungen lahm zu legen und nicht Mitarbeiter*innen zu beleidigen.

Sehr wahrscheinlich werden die Mitarbeiter*innen schnell auflegen, ruft dann einfach wieder an und wieder und wieder…

* Was könnt ihr sagen?

Beispiel: Hallo mein Name ist XXX könnte ich den Chef / die Geschäftsführerin sprechen? Ich habe von der Kündigung der Änderungsschneiderei Kabacaoglu bzw. des Spätis in der Oranienstr. 35 erfahren. Ich bin empört und empfinde es als menschenverachtend Familien die Existenz zu vernichten und sie nach so langer Zeit auf die Straße zu setzen. Ich fordere sie auf, den Mietvertrag umgehend zu verlängern! Denkt euch gerne was Eigenes aus!

Mailt uns eure Erfahrungen an zwangsraeumungverhindern@riseup.net

Was wir noch so machen in unserer Freizeit…

…und gestern haben wir bis in die morgenstunden n geiles transpi für die änderungsschneiderei gemalt. wer will, kann uns helfen beim aufhängen oder das transpi bejubeln! wer ne gute knipse hat, kann das vielleicht ablichten, wär doch n nettes erinnerungsfoto für den hausbesitzer… ansonsten können wir das foto als leistungsnachweis – an prominenter stelle – auf unserer website unterbringen, zwecks vorlage beim jobcenter oder so…

unser neues, wunderschönes kleid ist aus herrlichem und neuartigen reflektions-stoff (weiss) und der anspruchsvolle schriftzug “profitsystem abschaffen. nachbar*innen bleiben!” ist in schönen frühlingsfarben aufwendig aufappliziert. zusätzlich gibt es 3 expressive bildelemente, die dem kleid seinen unverwechselbaren charakter und tieferen sinn verleihen.

keine angst, ich starte bestimmt keine werbe-karriere, aber wenn ich morgen um 14.00 nicht am vereinbarten treffpunkt bin, heißt das, ich rück das transpi nich mehr raus, weils so schön is, dann lass ich mir n kleid draus machen;)

…und find es wunderschön!

Zwangsräumung in der Grenzallee im April verhindert!

Zuerst haben wir gemeinsam einen Brief übergeben…
 
Am 6. April trafen sich 4 Personen aus dem Bündnis Zwangsräumung verhindern am Kotti, um gemeinsam nach Köpenick in die Oberspreestraße 182 zu fahren.

Wir nutzen die Fahrt, um uns gegenseitig den Brief laut vorzulesen und letzte Fehler zu korrigieren. Besonders gefiel mir die Stelle im Brief, wo der Anwalt seine Vermieterbrille gegen seine Mieterbrille mal auswechseln soll. Der Anwalt ist auch für den Mieterverein tätig und hat also auf diesem Bereich Kompetenzen.
 
Nachdem wir die Stadt mit Hilfe der BVG neu vermessen hatten und uns in einer anderen Welt fühlten – dabei ist von Kreuzberg nach Köpenick laut BVG nur 45 Minuten Unterschied – in der Realität aber doppelt soviel – fanden wir uns in einer anderen Welt wieder. Was ist aus der Arbeiterklasse geworden, die hier vor 30 Jahren Schöneweide das Flair gab, dass nur Kabelwerker geben können? Kabelwerk Oberspree deindustrialisiert, Arbeitsstandorte globalisiert, Auswirkungen als Fluchtursachen wieder zurückgekehrt an den Beginn der Geschichte und wir nun bei den Verantwortlichen konkret zu Besuch – eine Gründerzeitvilla mit Jugendstilambiente erwartete uns.
 
Kurz vor dem Klingeln waren wir komplett irritiert – zu wem wollten wir eigentlich? Die Katharina ist die Hausverwalterin, aber ist sie auch die Eigentümerin? Irgendjemand besitzt die Website der Hausverwaltung und hat noch eine Verbindung zu? Und der Anwalt berät sowohl Mieter, besitzt aber auch Häuser und macht da fett Geschäft mit Flucht und Armut und dann leistet man sich noch den Zweig der Zivilgesellschaft, denn im Souterain war die Spindelmindel – irgendein lokaler Aufschlag des engagierten Teils der Bevölkerung für Lurchen und Uferwege und Partizipation – wo wollten wir eigentlich hin? Jemand erklomm die Stufen zum Eingang. Und da standen sie alle an Klingelschildern, an Briefkästen, aber nur eine Klingel für alle – alles eine Mischpoke.
 
Der Summer ging, die Tür sprang auf, vor uns eröffnete sich ein Entré aus vergangenen Zeiten, Holzgetäfelt, Deckenbemalt – herrlich, einfach eine andere Klasse. Aus der einzig offenen Tür kam uns ganz  offensichtlich die Sekretärin entgegen, hinter ihr leuchtete das Bodemuseum in gelb und rot gemalt. Sie war irritiert. Warum wir den Brief nicht per Post geschickt haben – ja es drängt, sie haben eine Zwangsräumung angesetzt. Warum man nicht einen Termin gemacht hätte und ein vier-Augen-Gespräch? Nein, wir kommen nie allein, wir sind Gruppe – heute sind wir in kleinster Aufstellung. 
 
Der Fragen waren noch viele, wir verlasen den Brief und ergänzten danach einander den Entwurf des weiteren Prozedere. Wir haben wirklich kein Interesse an Eskalation + aber angesichts der Ungerechtigkeit haben wir einen Plan + wir kommen wieder mit einer Kundgebung + wir schreiben Briefe an Geschäftspartner und Freunde der Zivilgesellschaft und natürlich diskutieren wir das über die Presse gemeinsam + und wenn nichts hilft, dann organisieren wir natürlich die Blockade + aber wir haben kein Interesse an Eskalation + sie haben damit angefangen.
 
Wir hatten uns nicht verabredet, wer was sagt. Wir sind so eingespielt aufgrund unserer Erfahrung, dass wir wie eine Spinne jedes Bein nach einem Rythmus bewegt, uns gemeinsam zum Abschluß des Gesprächs vortasteten, in der Bewegung aber schon auch unberechenbar schienen für die ganz offensichtlich weiblich sozialisierten Person, die es schon bereute auf die Frage “Sollen wir den Brief mal vorlesen” vor gefühlten 20 Minuten “Ja” gesagt zu haben. 
 
Und wir konnten kein Ende finden. Eine Person hatte sich bereits auf der Couch niedergelassen und sagte wie ins Nirvana “Weisst du noch bei der Räumung von Ali?” und eine andere Person ergänzte “…als der Kurier mit einem brennenden Auto titelte” und die Dritte ergänzte “So sieht es in Kreuzberg aus, wenn die Gerichtsvollzieherin kommt” Die männliche Stimme der Vernunft aber hielt entgegen: “Wir halten nichts vom Kurier”
 
Und hinter einer großen Holztür hörte man eine männliche Stimme telefonieren. Wir konnten uns ein Schmunzeln nicht verkneifen – nicht nur sie hatte etwas untertrieben zu Beginn, als sie meinte, niemand wäre im Hause.
 
So zogen wir fröhlich von dannen, die Bewegung hinter uns stehend, die Zukunft vor uns und die Sonne schien. Ein wirklich gelungener Ausflug.
 
…dann machte Herr Tüxen mit uns einen Termin

Wir waren 5 Leute; hatten – wie besprochen – 3 Forderungen und einen Vorschlag mitgebracht… zunächst hat Herr Tüxen uns darüber informiert, dass er für dieses Gespräch kein Mandat hat und eigentlich Anwälte miteinander kommunizieren… Auf die Frage hin, ob wir mal erklären sollten, warum wir hier sind und wer wir eigentlich sind winkte er nur wissend ab “Danke, ich weiß, wer sie sind.”
 
Als nun geklärt war, dass wir zu einem politischen Gespräch gekommen waren, stellten wir unsere Forderungen und unser Angebot vor:

  • Zwangsräumung am 3.5. abgeblasen
  • Mietfreiheitsschuldenbescheinigung – f. weiß wie es genau heißt
  • Schuldenerlass komplett
  • und bis zum Auszug Miete nach den Möglichkeiten, die JC gewährt

Dann folgte eine Diskussion + irgendwie hielt er sich am Mietenkonto fest, die betroffenen Mieter wollte es dann aber genau wissen “woher sollen wir wissen, was sie erhöht haben, wenn sie uns das nicht mitteilen?”…und hier ist in der Tat ein strukturelles Problem, JC zahlt direkt, aber Mieterin ist in der Verantwortung
 
Als die Freundin und Übersetzerin dann vor seinem Schreibtisch stand und sich nicht mit allgemeinen Vorwürfen abspeisen lassen wollte, ließ er seinen Plan fallen, das Mantra von ‘Schulden sind in so hohem Maße aufgelaufen, dass er das hier nicht in Gänze darlegen könne’ weiter zu wiederholen…
 
Daraufhin machte ein Unterstützer einen längeren Beitrag, warum sind wir hier und was ist eigentlich mit dem Unterschied zwischen Herrn Tüxen und der Mieterin…. dadurch war es Herrn Tüxen möglich, wieder auf den Kern unseres Erscheinens zurückzukommen wir setzten nochmal nach “Wir brauchen einfach Verfahrenssicherheit, ob wir nun auch am 3. Mai noch nüchtern sein müssen” 
 
Und dann ging alles sehr schnell. Herr Tüxen bestätigte alle Forderungen und hatte nur den Wunsch, eine großzügige Frist des Auszuges festzuschreiben – 1 Jahr mit der Möglichkeit ohne Fristen jederzeit das Mietverhältnis durch die Mieter zu kündigen, wenn sie eine andere Wohnung gefunden haben.
 
Der Vergleich ist geschlossen

  • Räumungstitel ruht, Zwangsräumung zurückgenommen
  • Mietschuldenbefreiung wird ausgestellt
  • Schulden erlassen und zwar komplett
  • aktuelle Miete läuft bis zum Auszug